Die lebendige Glasbläserstadt Lauscha
   
Museum für Glaskunst Lauscha
Oberlandstr. 10
98724 Lauscha

Lauscha - das ist Glas. Die Keimzelle der Stadt ist eine 1597 konzessionierte Glas-hütte. Seit über 400 Jahren wird hier kontinuierlich Glas hergestellt und verarbeitet. Lauscha ist damit einer der traditionsreichsten Glasstandorte in Europa. Bis heute ist das Glas für mehr als die Hälfte der Einwohner die Existenz-grundlage. Einige größere und Dutzende kleiner Betriebe, einige Künstlerateliers, eine Glashütte, die zu den letzten in Deutschland gehört, die noch mit der alten Hafentechnik arbeiten, und zahlreiche Glasgeschäfte und -galerien ziehen sich durch den ganzen Ort. Ihre hervorragenden Erzeugnisse vom gläsernen Christbaumschmuck über Glasaugen bis zum kunstgewerblichen und künstlerisch gestalteten Glas sind weltbekannt. Die Berufsfachschule Glas bildet junge Menschen aus ganz Deutschland zu Glasbläsern aus.

Im tief eingeschnittenen Tal des Lauschabaches hatten sich etwa im Jahr 1590 die von der aufgegebenen Glashütte in Langenbach herkommenden Glasbläser Hans Greiner und Christoff Müller mit ihren Familien auf dem Territorium des Grafen von Pappenheim niedergelassen. Im sogenannten Marktiegel errichteten sie eine Glashütte. Vermutlich wegen des besseren Privilegs siedelten sie schon wenig später einige hundert Meter in das Gebiet des Herzogs von Sachsen-Coburg um. 1597 erhielten sie für diesen Standort die Konzession zur Errichtung und zum Betrieb einer Glashütte. Ihre Hütte am heutigen Hüttenplatz hatte über 300 Jahre Bestand und wurde erst 1905 abgerissen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten vier weitere Glashütten am Ort.

Die große Bedeutung des Glasstandorts Lauscha hat historisch verschiedene Ursachen: Einmal ist es die Nähe zu wichtigen Handelswegen, über die der überregionale Verkauf der Gläser organisiert werden konnte. Zweitens ist es die inzwischen über 400 jährige, ungebrochene Kontinuität, mit der hier Glas hergestellt, verarbeitet und veredelt wird. Dazu kommt drittens die Fähigkeit, über diesen langen Zeitraum Traditionen zu pflegen ohne die Fähigkeit zur Erneuerung einzubüßen. Neben den erfolgreich eingeführten Erzeugnissen gingen von Lauscha und seinem Umland immer wieder Impulse aus, die sich weltweit durchsetzen konnten, wie die Erfindung des gläsernen Christbaumschmucks und der Glasmärbel sowie die Weiterentwicklung der menschlichen Augenprothese im 19. Jahrhundert oder kunstgewerbliche und künstlerische Glasgestaltungen im 20. Jahrhundert.

Als Viertes ist die Ausstrahlung nach Außerhalb zu nennen. Die Lauschaer Glashütte hatte zwölf Häfen und somit nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen. Kinder der Glasbläserfamilien, die nicht in der Hütte arbeiten konnten, verlegten sich entweder auf die Glas veredelnden Berufe wie den Glasschnitt oder sie verließen Lauscha und gründeten in der näheren oder weiteren Umgebung neue Glashütten. In ganz Europa finden sich Glashütten, in denen von Lauscha her stammende Glasbläser gearbeitet haben oder sie leiteten.

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