Beinglas und Porzellanmalerei
20.06.2010 bis 30.10.2010
Was hat Glas mit Porzellan zu tun - und was ein Glasmuseum mit einer Porzellanausstellung? Ausgesprochen viel. Denn auch im thüringischen Lauscha war man auf der Suche nach der Rezeptur des Porzellans, wollte man auf die Spur des Arcanums kommen. In Thüringen konnte das technische Wissen der einheimischen Fayencemanufakturen und insbesondere das Können der Glashütten genutzt werden.
Das Museum für Glaskunst Lauscha zeigt im Rahmen des Projektes „250 Jahre Porzellan aus Thüringen“ zwei Themenausstellungen.
Beinglas und Porzellanmalerei – zwei Sammlungsbestände im Museum für Glaskunst
1. Beinglas als Porzellanersatz
Die Venezianer hatten Milchglas (ital. Lattimo) seit dem 16. Jahrhundert in Gebrauch. Um die milchige Trübung zu erzeugen, setzten sie dem Gemenge Blei, Zinnoxid, Knochenasche (Kalziumfluorphosphat) oder Hirschhorn u. a. Mittel zu.
In der Absicht, das Porzellan zu imitieren, schmolzen manche thüringische Hütten Milchglas. Urkundlich erwähnt sind die Hütten in Eisfeld 1711, Henriettenthal 1720, Lauscha 1735 und
Ilmenau 1737.
Mit der zunehmenden Verbreitung des Porzellans gegen Ende des 18. Jahrhunderts schlief das Interesse am Milchglas wieder ein.
Das Museum besitzt ausreichend Objekte für eine Kabinettausstellung. Der hohe Grad der Verwechselbarkeit mit Porzellan und die anspruchsvolle Dekorgestaltung durch Verwendung von Emailfarben sprechen für sich. Sie sind Ausdruck höchster gestalterischer Leistungen bei der Herstellung von Porzellanimitaten.
Dieses Thema stellt den Beginn der Thüringer Porzellanfertigung von einer anderen Bertrachtungsebene dar und ist ein Bindeglied zwischen den Werkstoffen Glas und Porzellan.
Beinglas als eine eigenständige Variation der Glasherstellung und Gestaltung mit einer Betrachtung über die mehr oder weniger gelungene Einheit von Form und Dekor stehen im Focus der Betrachtungen.
2. Porzellanmalerei
Die Porzellanmanufakturen hatten nicht nur im Betrieb Maler angestellt, sondern sie verkauften weiße, ungemarkte Ware an Heimarbeiter, die im Hausgewerbe in sog. Winkelmalerei die Porzellane bemalten.
Der Typus des kleinen Bild-Täfelchens als Wandschmuck hatte sich in der Zeit des Bierdermeier (1815-48) herausgebildet. – Auch der Gebrauch von bemalten Tabakspfeifenköpfen aus Porzellan wurde sehr populär.
Genremotive, Landschaften und Miniaturkopien berühmter Gemälde waren gängige Themen.
Die weniger kostspielige Technik der Dekoration, einem in England im 18. Jahrhundert entwickelten fotografischen Umdruckverfahren, mit dem Vorlagen der Druckgrafik direkt in Farben auf die Porzellanoberfläche reproduziert werden konnte, verdrängte die feine und teure Malerei weitgehend.
Im Besitz des Museums befindet sich eine Vielzahl dieser Malereien.
Besonders bemerkenswert sind Arbeiten von Ens, Müller-Philipp-Sohn, Kob, Greiner-Vetter und Paschold.
Foto: Porzellanbild von Hermann Müller-Philipp-Sohn
Auschnitt aus der Sixtinischen Madonna von Raffaello Santi
Günter Schlüter
Museum für Glaskunst Lauscha
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